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Es ist kalt in Deutschland.
Und es schneit. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich
mich das letzte Mal so dick anziehen mußte. Obwohl,
da fällt es mir wieder ein: es war in den Rocky Mountains,
nachts, im Zelt. Da war es ebenfalls schweinekalt. Aber
die Bedingungen waren doch ein wenig anders – gehörig
anders, um ehrlich zu sein.
Wir sind wieder zurück. Was für ein komisches
Gefühl. Nach acht Monaten haben wir wieder eine Wohnung
ganz für uns allein – und es ist auch noch unsere eigene.
Wir haben wieder unser eigenes Bett, unser eigenes Bad,
eigenen Kühlschrank, Fernseher, Radio, DVD, mehrlagiges
Toilettenpapier.
Aber brauchen wir das eigentlich alles noch?
Erst einmal nicht. Es ist schön, wieder ein Schlafzimmer
zu haben, in dem man zu Hause ist. Wenn wir jetzt nachts
auf Klo müssen, dann können wir einfach gehen,
völlig unkompliziert. Seitdem müssen wir nachts
nicht mehr aufs Klo. Acht Monate lang haben wir aus dem
Rucksack gelebt. Ich hatte fünf T-Shirts und zwei Hosen.
Jetzt stehe ich morgens vor dem prallgefüllten Kleiderschrank
und frage mich, was ich bloß anziehen soll. Und mir
steht nur ein drittel unseres Kleiderschranks zu, die anderen
zwei Drittel belegt Regina. Wie schafft sie es bloß,
sich morgens für eines ihrer unzähligen Kleidungsstücke
zu entscheiden? Ich weiß es nicht.
Als wir beginnen, die Kartons vom Dachboden zu holen und
unsere Wohnung wieder einzurichten, stellen wir fest, wieviel
Zeugs und Krimskrams wir doch besitzen. Was haben wir damit
bloß angefangen? Einen beachtlichen Teil der ganzen
Staubfänger lassen wir gleich in den Kartons und bringen
sie zurück auf den Speicher. Trotzdem ist unsere Wohnung
schon bald wieder mit jeder Menge Luxus gefüllt und
das ist auch gut so.
Regina freut sich, endlich wieder vernünftige Messer
zu haben. Brot schneiden, Kartoffeln schälen, Tomaten
teilen – was kann man nicht alles Tolles mit scharfen Messern
machen. Ich persönlich war ja auch mit meinem Schweizer
Messer zufrieden. Dafür freue ich mich wieder, einen
richtigen Computer zu haben. Wie habe ich es die ganze Zeit
bloß ohne Computer ausgehalten? Ohne Internetanschluß
und Drucker und Monitor? Kaum zu glauben.
Wir überlegen, was wir die nächsten Tage essen
wollen. Wir haben ja jetzt wieder einen Kühlschrank
und können für mehrere Tage planen. Aber wie macht
man das bloß? Mit Mühe gelingt es uns, ein Menue
für den Abend zusammen zu stellen. Weiter können
wir einfach nicht denken. Das sehen wir dann morgen.
Nach dem Abendessen türmt sich ein riesiger Berg Abwasch
in der Küche. Wofür haben wir bloß das ganze
Geschirr benötigt? Wir sind doch überall auf der
Welt mit zwei Plastiktellern, zwei Messern und zwei Gabeln
ausgekommen. Dazu einen Topf im jeweiligen Hostel, das war's.
Und jetzt das. Ich habe Hausarbeit schon vor unserer Reise
nicht gemocht. Jetzt hasse ich sie. Was für eine Verschwendung
von Energie. Wir könnten soviel sehen und erleben,
anstatt hier zu putzen und zu schrubben. Obwohl – wir sind
ja wieder zu Hause. Hier wird nicht mehr jeden Tag gesehen
und erlebt.
Wir wachen jeden Morgen im selben Bett im selben Zimmer
auf. Vom Fenster aus jeden Morgen derselbe Blick. Unsere
Wohnung ist gut fünf mal größer als jedes
Hostelzimmer und bestimmt zwanzig mal so groß wie
unser Zelt. Aber irgendwie ist sie auch ziemlich eng.
Ja, wir sind wieder zu Hause.
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