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Versteckte Buchten, sandige Strände, Dünen, schroffe Küsten, urtümliche Wälder. Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, wie wunderschön der Norden der Nordinsel ist, hätten wir bestimmt mehr Zeit hier verbracht. So haben wir uns nur für vier Tage ein Auto gemietet, um noch ein paar weitere Kilometer zu fressen. Wieder fährt Regina, wieder bin ich es, der genießt. Wie schön kann das Leben doch sein. Im absoluten Norden der Insel stoßen der Pazifik und das tasmanische Meer aufeinander und schaffen ein wildes Durcheinander an Wellen und Strömungen. Strände, Küsten, Wälder - das kann man vielleicht überall sehen, aber dies ist schon etwas Besonderes, das wollen wir auf keinen Fall verpassen. Da die Straßen als sehr unwegsam beschrieben werden und wir nicht sicher sind, wie weit wir mit dem Mietwagen fahren dürfen, machen wir auf japanisch, das heißt, wir buchen eine organisierte Bustour. Wir müssen zwar feststellen, dass wir sogar mir dem Campervan schon schlechtere Straßen gefahren sind, aber das Gute an dieser Tour ist, dass wir einen Stopp in den Dünen machen, um diese auf kleinen Plastikbobs hinunterzurodeln. Was für ein Spaß, auch wenn Regina auf den Fotos eher etwas - wie soll ich es beschreiben - unglücklich wirkt. (Wahrscheinlich werden die Fotos im Giftschrank lagern- Einsicht nur auf besondere Nachfrage.) Die Rückfahrt führt schließlich über den 90-Mile-Beach, was im Mietwagen definitiv verboten ist. Auch wenn die 90 Meilen eigentlich eher 'nur' 90 Kilometer sind, ist es fantastisch, über den endlos weiten Strand zu preschen, links die Dünen, rechts das offene Meer. Den Anblick könnten wir stundenlang genießen.
Gedankensprung und ein wenig Mythologie: Nach dem Glauben der Maori lag die Welt lange Zeit in Dunkelheit, weil Ranginui, der Himmelsgott, und Papatuanuku, die Erdenmutter, so eng vereint waren. Aber ihre Kinder wollten Licht, und so presste Tane-Mahuta, der Gott des Waldes, seine Schultern in den Boden, stemmte die Füße in den Himmel und trennte seine Eltern. Licht flutete in die Welt. Das Leben begann. Wir haben Tane-Mahuta gesehen. Nicht den Gott, aber einen Kauribaum gleichen Namens. Mit 51 Metern ist Tane-Mahuta der größte Kauribaum Neuseelands und mit einem Alter von fast 2.000 Jahren einer der ältesten. Trotzdem ist er noch relativ jung, vergleicht man ihn mit Matua Ngahere, dem Vater des Waldes, der etwa 4.000 Jahre alt ist. Viertausend Jahre - wer kann sich ein solches Alter vorstellen? Ich denke, in dem Alter haben es Bäume verdient, einen Namen zu bekommen. Was für ein wunderbarer Anblick ist es, durch dichten, dunklen Wald zu gehen und plötzlich vor einem solchen Riesen zu stehen. Und was für ein Glück, dass es wenigstens ein paar dieser Giganten geschafft haben, dem menschlichen Zerstörungstrieb zu entgehen. Der Kauriwald, der einst den gesamten Norden Neuseelands bedeckte, ist heute auf ein paar Naturschutzgebiete zusammen geschrumpft. Kauribäume sind ein wenig wie Menschen: irgendwann wachsen sie nicht mehr in die Höhe, sondern nur noch in die Breite. Das erinnert mich an ein Gespräch mit Graham, in dem es um den Zwang vieler Frauen ging, Bauch zu zeigen, egal wie kalt es ist und egal ob der Bauch nun fest oder eher weich, sprich schwabbelig ist. Die Neuseeländer haben für letzteres eine ausgesprochene passende Bezeichnung: sie nennen das helle Stück Haut, das über die Hose quillt 'Muffin'. Seitdem kann ich keine Muffins mehr essen.
Schlußbemerkung: Wir sind auf dem Weg zurück nach Auckland. Es ist früher Abend, die Straßen sind voll. Vor uns eine unglaublich lange Schlange, angeführt von einem dieser lästigen Campervans. Regina flucht wie ein Rohrspatz: 'Warum fährt der denn nicht mal links ran und lässt uns vorbei?' Ja, schlimm, diese Touristen.
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