08. - 10.02.05 - Krüger

In Südafrika gibt es drei magische Worte: Krüger National Park. Auch wir haben uns von ihnen locken lassen, doch irgendwie ist er ganz anders, als wir erwartet hatten. Viel grüner und saftiger. Das Gras steht hoch, die Büsche und Sträucher ebenso. Viele Möglichkeiten für die Tiere, sich vor uns zu verstecken. Doch ein paar sehen wir doch.

Mittwochmorgen, 5:00 Uhr. Die beiden Ranger Janny und Benji fahren uns im offenen Jeep zum Startpunkt unserer geführten Wanderung. Es dämmert langsam, wir sind noch müde. Plötzlich vor uns eine Bewegung auf der Straße, keine 50 Meter entfernt. Wir fahren näher heran, die Kontur löst sich in mehrere Körper auf. 'Löwen', ruft Janny, 'ganz still jetzt und im Auto bleiben.' Wir sind schlagartig hellwach. Ganz langsam nähern wir uns den Löwen - vier Weibchen. Wir erreichen sie und fahren neben ihnen. Sie sehen zu uns auf, fauchen, traben weiter. Wir sind keine drei Meter von ihnen entfernt, nichts trennt uns von ihnen, das Chassis des Jeeps reicht uns nur bis zum Bauch. Keine Scheiben, keine Gitter. Unter dem geschmeidigen Fell der Tiere sehen wir bei jedem Schritt das Spiel ihrer Muskeln. Wir lehnen uns aus dem Wagen, die Kameras klicken, Blitzlichter blitzen auf. Nach über zehn Minuten haben die Löwen schließlich genug von uns und verschwinden im Unterholz.

Der frühe Morgen ist die beste Zeit, um Tiere zu sehen. Und es ist noch angenehm kühl. Wenn mittags erst einmal die Sonne vom Himmel brennt und wir praktisch keinen Schatten mehr werfen, ist es selbst Sunny, unserem schwarzen Fahrer, viel zu heiß.

12:00 mittags, 45 Grad im Schatten. Durch die offenen Fenster unseres Busses weht warmer Wind zu uns herein, wie aus einem Fön. Impalas und Zebras stehen im Schatten der Bäume und vermeiden jede Bewegung. An einem Wasserloch baden Elefanten. Dicht daneben Nilpferde, bei denen nur die Nasenspitzen aus dem Wasser ragen. Für uns kommt ein Bad dort leider nicht in Frage. Uns bleibt nur lauwarmes Mineralwasser, das wir literweise in uns reinschütten.

Zum Glück kühlt es nachts ein wenig ab, denn wir schlafen in Zelten. Unser Nachtlager ist ein eingezäuntes Camp. Büffel grasen jenseits des Zauns. Affen laufen vorbei. Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir um das Lagerfeuer und bewundern die Milliarden Sterne über uns.

Plötzlich ist sie da. Keiner hat sie gehört, niemand hat gesehen, woher sie kam. Sie steht einfach da, auf der anderen Seite des Zaunes und starrt uns an - eine Hyäne. Kommen wir näher an den Zaun heran, läuft sie weg, ist aber sofort wieder da, wenn wir uns zurückziehen. Mit großen Augen sieht sie uns beim Essen zu. Was würde sie wohl dafür geben, ein Loch im Zaun zu finden. Janny gesteht, dass er Hyänen mehr fürchtet als alle anderen Raubtiere. Er betreut auch ein offenes Camp ohne Zäune, einfach Zelte inmitten freier Natur. Wir sind froh über den Zaun.

Geparden gehören zu unseren Lieblingstieren, ihre kraftvolle Eleganz ist einfach wunderschön. Insgesamt sehen wir fünf dieser anmutigen Tiere, beobachten einen sogar bei der Jagd. Aber auch alle anderen Tiere sind so herrlich anzuschauen. Kaum vorstellbar, dass wir noch einmal Spaß im Zoo haben können, nachdem wir gesehen haben, welch grenzenlose Freiheit all diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung genießen.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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