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0.04 Uhr - Das Thermometer zeigt +7°C. In unserem Zelt ist es kalt, eiskalt. Wir tragen jeweils zwei lange Hosen, T-Shirt, Hemd und eine Fleecejacke in unseren Schlafsäcken, die wir bis über den Kopf zugezogen haben, aber die Kälte dringt noch immer zu uns durch. Wir können nicht schlafen.
3.27 Uhr - Der Schlaf hat uns doch noch übermannt, aber plötzlich schrickt Regina auf. Sie hat eine Panikattacke, glaubt zu ersticken. Ihr Schlafsack hat sich über ihrem Kopf soweit zugezogen, dass sie keine Öffnung mehr findet. Hektisch versucht sie, ihn wieder zu öffnen. Endlich gelingt es ihr und sie atmet erleichtert die frische Nachtluft ein.
8.24 Uhr - Die ersten Sonnenstrahlen fallen in unser Tal, aber sie haben noch keine Kraft. Wir behalten unsere Sachen an und versuchen mit eiskaltem Wasser Zähne zu putzen. Das muss an Morgentoilette reichen.
10.47 Uhr - Wir sind auf dem Weg zum Lake Marion. 2,5 km entfernt, etwa 400 Höhenmeter über uns. Es herrscht Bärenwarnung. Wir haben die Verhaltensregeln auswendig gelernt: Lärm machen beim Wandern, wenn wir auf Bären stoßen, deutlich machen, dass wir Menschen und damit harmlos sind, sollte der Bär trotzdem angreifen, nicht weglaufen, Lärm machen, Stärke zeigen, sollte es zum Kampf kommen, was sehr unwahrscheinlich ist, dann ordentlich Widerstand leisten und es dem Bären nicht zu einfach machen. Noch haben wir keine Bären gesehen.
12.48 Uhr - Die Temperatur ist auf 28°C gestiegen. Lake Marion, ein kleiner, verträumter Gebirgssee, ist erreicht. Wir wandern weiter, erklimmen den Mount Abbot, weitere 600 Höhenmeter hinauf auf 2.200 Meter. Immer wieder öffnen sich herrliche Blicke auf die umliegenden Berge. Wir schwitzen.
13.51 Uhr - Wir müssen ein Eisfeld überqueren. Unser extrem schmale Weg schlängelt sich eine etwa 45° geneigte Bergflanke hinauf. Das Eis liegt direkt vor uns. Es gibt keinen anderen Weg. Wir folgen einer alten Spur, treten die in den Schnee gefrorenen Fußabdrücke weiter aus. Wenn wir den Halt verlieren, rutschen wir 20 Meter in die Tiefe. Nur nicht daran denken.
13.52 Uhr - Das Eisfeld ist überquert.
14.38 Uhr - Wir erreichen unser Ziel und genießen aus 2.400 Metern Höhe einen fantastischen Rundumblick auf die umliegenden Berge. Ein Stück Brot, eine Banane und Eistee sind unser Mittagessen. Dann beginnt unser Abstieg.
16.12 Uhr - Vom ständigen Bergabgehen und dauernden Überdehnen, beginnen meine Knie zu schmerzen. Jeder Schritt bedeutet einen stechenden Schmerz. Kurze Pausen bringen Erleichterung, aber keine Linderung. Ich beiße die Zähne zusammen. Wir müssen weiter. Schritt für Schritt.
16.40 Uhr - Wir sind zurück. 6,5 Stunden Wanderung liegen hinter uns. Wir sind geschafft und kühlen unsere müden Füße im eiskalten Wasser des Gebirgsbaches direkt neben unserem Zelt. Bären haben wir keine gesehen - ist vielleicht ganz gut so.
18.29 Uhr - In einer Aluschüssel wärmen wir uns ein Dosenchili am Lagerfeuer auf. Dazu gibt es Dosenbier. Für 6 Dollar haben wir die Lizenz für ein Lagerfeuer erworben. Holz gibt es kostenlos. Also haben wir ein Feuer entfacht, das fast den gesamten Berg erwärmt.
21.17 Uhr - Die Kälte kehrt zurück. Wir kriechen wieder in unsere Schlafsäcke. Zwei Hosen, T-Shirts, Hemden, Fleecejacke - wie letzte Nacht. Wir frieren, es ist bitterkalt. Wir versuchen zu schlafen. Wie letzte Nacht.
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