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Allmählich nerven uns diese ständigen Bärenwarnungen doch sehr. Egal wohin man geht, egal was man sich ansieht, überall stößt man auf große Warntafeln: "'Vorsicht - Bärengebiet!'. In Jasper dürfen manche Wanderwege nur von Gruppen mit mindestens sechs Personen benutzt werden. Warum? Fressen Bären grundsätzlich nicht mehr als fünf Wanderer auf, so dass der sechste zurückkehren und davon berichten kann? Das französische Pärchen, das wir im Hostel kennen gelernt haben, hat Bären gesehen. Direkt an der Straße. Stolz haben sie uns ihre Fotos gezeigt: eine Bärenmutter mit ihrem Nachwuchs. Schwarzbären. Alles, was wir bis jetzt gesehen haben, sind Himbeeren. Freuen wir uns also mit den Franzosen . Die sind schließlich in den Flitterwochen, da sollen die ruhig ein paar Bären sehen.
Heute haben wir Jasper verlassen, um uns langsam auf den Rückweg nach Vancouver zu machen. Auf dem Highway 5 geht es nach Clearwater. Links und rechts der Straße das bereits so wohlvertraute satte grün der Wälder und Wiesen. Regina hat wie immer den Fotoapparat auf dem Schoß, man kann ja nie wissen, da sehen wir plötzlich vor uns eine Gruppe Autos am Straßenrand. Ein Bus mit blinkenden Warnleuchten ist eingekeilt von ein paar PKWs, die den Eindruck erwecken, als wären sie hastig zum Halten gebracht worden. Während wir näherkommen, fragen wir uns noch, was da los sein mag, als wir ein schwarzes Knäuel auf dem Grünstreifen neben der Straße entdecken. Ein Bär! Sofort halten auch wir an. Schnell die Kamera gezückt, Scheiben hinuntergefahren und drauf los geschossen. Von dem Trubel am Straßenrand völlig unbeeindruckt, sitzt der Schwarzbär auf dem Grünstreifen und frisst Blaubeeren, in dem er die Ranken mit einer Pfote zur Schnauze führt und die Beeren dann davon abschleckt. Um uns herum vergessen die Menschen alle Warnhinweise und steigen aus ihren Autos aus, um bessere Sicht zu haben. Videokameras laufen, Fotoapparate klicken. Auch wir haben schnell 30 Bilder gemacht. Haben wir es also doch noch einen Bären zu sehen bekommen. Großartig! Schließlich fahren wir weiter zum Wells Gray Park, in dem wir zwei Nächte verbringen wollen. Der Campingplatz, den wir ausgesucht haben, liegt etwa 60 km im Parkinneren. Die Straße dorthin ist ein Schotterpiste. Wir kommen nur langsam voran. Immer wieder steile Anstiege, enge Kurven und ausgewaschene Waschbrettfurchen. Da passiert plötzlich, womit wir nicht mehr gerechnet haben: ein Bär überquert die Straße. Ich bremse sofort, bringe den Wagen zum Stehen. Der Bär sieht uns erschrocken an und beeilt sich, im Unterholz zu verschwinden. Ich lasse den Wagen näher rollen. Sehen können wir den Bär nicht mehr, aber hören. Er stapft davon. Zwei Bären an einem Tag. Damit hätten wir weiß Gott nicht gerechnet. Wir sind zufrieden. Der Tag hat sich für uns gelohnt.
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