11. - 14.09.2004 - South Sea Island

Der Taxifahrer, der uns zum Hafen fährt, hält uns wahrscheinlich für typische, dämliche Touristen, als wir ihm erzählen, dass wir zur South Sea Island wollen. 'Wir sind hier in der Südsee', erklärt er uns, 'da ist jede Insel eine Südseeinsel.' Womit er natürlich recht hat, aber wir können ihm kaum verübeln, dass er dieses winzige Eiland nicht kennt, dass kaum größer als jede beliebige Aldi-Filiale ist.

Wir brauchen kaum fünf Minuten, um die Insel zu umrunden und es dauert auch nur deshalb so lange, weil am Strand so viele harte Korallenstücke liegen, die das Gehen so erschweren. Aber wir sind ja nicht zum Spazierengehen hierher gekommen, sondern um zu schnorcheln, denn rund um die Insel sind einmalig schöne Korallenriffe. Eine solche Farbenpracht haben wir noch nie zuvor unter Wasser erlebt. Korallen, Anemonen, große blaue Seesterne, Fische in allen Formen und Größen. Wir können uns kaum sattsehen.

Hier auf der Insel treffen wir überraschend Zoltan und Maria wieder, die wir vor einigen Tagen im Beachhouse kennen gelernt haben. Sie kommen aus Australien, obwohl Maria eigentlich gebürtige Norwegerin ist. Den Urlaub auf Fidschi nutzen sie nicht nur, um sich zu erholen, sondern auch damit Maria erneut in Australien einreisen kann und ein neues Visum bekommt, um ihr Studium fortzusetzen.
An unserem ersten Abend auf der Insel feiert einer der großen Bosse hier seinen Abschied. Auch wir Gäste sind eingeladen mitzufeiern, Getränke sind frei. Das ist eine gute Gelegenheit, um ein paar englische Trinkspiele zu lernen. Maria entpuppt sich als geduldige Lehrerin, die es in Bezug auf Trinkfestigkeit mit jedem Engländer aufnehmen kann. Man kann diese Spiele wirklich nur ertragen, wenn man schon ordentlich besoffen ist, aber dann machen sie große Spaß. Wir sitzen lange zusammen und kämpfen uns erst ins Bett, als der Generator ausgeschaltet wird.
Wenn wir zu Hause in Hamburg nachts das Licht ausschalten, dann ist es trotzdem noch hell genug, damit wir uns jederzeit problemlos orientieren können. Wenn hier das Licht ausgeschaltet wird, dann gibt es nur noch eine Farbe: Schwarz. Wenn ich hier nachts aufwache, muss ich mehrmals blinzeln, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Augen schon geöffnet habe. Hier herrscht eine geradezu beklemmende Dunkelheit. Der Wind weht um unser 20-Bett-Zimmer, das Meer rauscht, ich höre die anderen Gäste schlafen, aber ich sehe absolut nichts. Eigentlich müsste ich ja auf Toilette, aber das ist ohne Taschenlampe unmöglich und bis ich die gefunden habe, ist es eh zu spät. Also übe ich mich in buddhistischer Meditation und warte auf das Morgengrauen.

Um 7.30 Uhr ist für alle die Nacht zu Ende. Dann ruft die Trommel zum Frühstück und es beginnt ein neuer anstrengender Tag, an dem wir schnorcheln müssen und lesen und Muscheln sammeln und essen und schlafen und natürlich aufs Meer hinausstarren und träumen. Auch in der Südsee hat man es halt nicht leicht.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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