03.07.2004 - In Toronto

Jetzt sind wir erst drei Tage in Toronto und haben schon mit sechs Leuten geschlafen - allerdings nicht direkt natürlich, sondern im selben Zimmer. Nachdem sich vorletzte Nacht ein englisches Pärchen zu uns gesellte, das im Gegensatz zu uns nicht sechs Monate, sondern zwölf unterwegs sein will, haben wir beschlossen, das Thema Reisedauer in Zukunft nicht mehr anzusprechen.
Stattdessen sprechen wir lieber übers Wetter. Wie herrlich sonnig das hier ist! Laut wetter.com regnet es in Hamburg, hier haben wir bereits den ersten Sonnenbrand. Und dabei war es vor unserer Ankunft auch hier kalt und regnerisch. Aber warum sollen wir nicht auch mal Glück haben?

Inzwischen haben wir Toronto schon ganz gut kennen gelernt. Da unser Hostel sehr zentral liegt, können wir praktisch alles gut zu Fuß erreichen. So waren wir am Hafen, am Trinity College, dem Finanzviertel mit seinen imposanten Wolkenkratzern und am Strand, der zwar eher kümmerlich ist, dafür aber immerhin mit Möwen und steifer Brise aufwarten kann. So gehört sich das für einen echten Strand! Vom CN Tower hatten wir aus 447 Metern Höhe einen fantastischen Blick über die Stadt und den Lake Ontario. Für mich wirkt Toronto ja irgendwie wie eine Stadt am Meer, bei der es leider für das Meer nicht reichte. Stattdessen gab es nur einen See. Armes Toronto!

Im Moment sind nicht nur Regina und ich in der Stadt, sondern auch Russel Crowe und Rene Zellweger. Die beiden drehen hier gerade unter der Regie von Ron Howard Cinderella Man, einen Boxerfilm, der im NewYork der 1940er Jahre spielt. Bei unseren Wanderungen durch die Stadt, sind wir zufällig auf die Dreharbeiten gestoßen und hatten Gelegenheit, ein wenig mit den beiden zu plaudern. Na ja, stimmt nicht ganz! Wir haben gesehen, wie eine Kreuzung für die Dreharbeiten abgesperrt und um 60 Jahre zurück versetzt wurde. Oldtimer und Statisten in 40er Jahre Kleidung setzten sich jeweils auf Anweisung in Bewegung. In New York wäre es wahrscheinlich nicht zu bezahlen gewesen, den Verkehr lahmzulegen, hier schon.

Vielleicht sind die Kanadier aber auch sehr großzügig, weil sie gerade in Feierlaune sind. Am 1.7. war Canadian Day, DER kanadische Feiertag schlechthin. Bei allen Feierlichkeiten, die wir in Deutschland erlebt haben, sind wir nie in die Verlegenheit gekommen, die Nationalhymne anstimmen zu müssen. Am Canadian Day ist es selbstverständlich, sich während der Feier zu erheben und die Hymne zu schmettern. So unterschiedlich können Nationen sein.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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