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Zu siebt sitzen wir in dem luftigen Pavillon und warten gespannt darauf, was Harry heute Köstliches in der Küche zubereitet. Wir, das sind ein englischen Pärchen, eine australische Mutter mit ihrer Tochter, eine allein reisende Engländerin und eben wir. Sieben Gäste, für die das abendliche Dinner immer ein Höhepunkt des Tages ist. Während wir auf das Essen warten, vertreiben wir uns mit einem unserer Lieblingsthemen die Zeit: wer hat heute welche ekligen Tiere gesehen. Die anderen berichten von dicken, schwarzen Spinnen, die sie in ihren Zimmern haben. Damit können wir nicht dienen - Gott sei dank, denn ich hasse Spinnen. Aber dafür haben wir einen kleinen Skorpion in unserer Dusche. Und ich bin fest entschlossen, mit dem Glauben alt zu werden, dass er harmlos ist. Zusätzlich haben wir heute Abend eine fette Krabbe im Licht der Taschenlampe gesehen, auf die ich fast getreten wäre. Wenn Laichzeit ist, so berichten uns die Einheimischen, dann kommt nachts eine ganze Stampede von Krabben aus den Bergen und läuft quer durch das Ressort zum Meer. In der Hochzeit ihrer Wanderung sieht man vor lauter Krabben kaum noch den Boden. Ich muss an die vielen Krabbenlöcher im Garten des Ressorts denken und möchte mir gar nicht ausmalen, wie es hier draußen aussieht, während wir schlafen.
Das Essen kommt. Es gibt keine Krabben. Stattdessen Dal-Suppe, ein indischer Bohneneintopf und anschließend Fischcurry mit Reis, pikanten Kürbis, würzige Eierfrucht (keine Ahnung, was das ist), Salat, Rotti (gerollte Teigtasche) und Kokosraspel. Zum Nachtisch Mangoscheiben. Fanny überzeugt sich in ihrer Kittelschürze davon, ob auch alle zufrieden sind. Wir sind es und ihr Gesicht strahlt. Fanny hat noch ein wenig irisches Blut in ihren Adern, während die Vorfahren von ihrem Mann Otto eins aus Deutschland kamen. Aber daran erinnert nur noch der Name. Fanny ist mit uns im Boot zurück zu ihrer Insel gefahren. Sie war auf der Hauptinsel, weil sie Probleme mit den Ohren und den Zähnen hatte. Man wird halt alt- wer wüsste das besser als wir? Erst einmal ist bei Fanny wieder alles gefixt. Sie ist allerdings skeptisch, ob es auch ein paar Monate halten wird.
Das reichhaltige Essen macht uns unglaublich schläfrig. Aber vielleicht liegt das auch an den zwei Fiji-Bitter-Export, die wir dazu trinken. Als wir in unser Dorm zurückkehren und Licht einschalten, wandert mein Blick automatisch durch den Raum, erfasst jeden Winkel, jeden Spalt, jedes Schlupfloch. Alles ist ruhig. Keine huschende Bewegung, nichts krabbelt davon, nichts verkriecht sich ins Dunkle. Mein Moskitonetz ist straff um das Bett gespannt. Trotzdem hebe ich vorsichtig Kissen und Lacken an, um zu überprüfen, ob auch nichts darunter gekrabbelt ist. Erst dann lege ich mich hin. Draußen peitscht ein stürmischer Wind um unsere Hütte. Immer wieder schlagen Äste gegen die Wände oder kratzen über das Wellblechdach. Weiter entfernt werden Kokosnüsse von dem Bäumen geweht und schlagen mit dumpfen Knall auf dem Boden auf. Gut zu wissen, dass ich morgen noch genug am Strand schlafen kann. Denn heute Nacht, wird es mir schwer fallen, das weiß ich. Das Dach knarrt erneut. Ein Ast? Oder ein Tier? Ich schließe die Augen. Nur nicht daran denken.
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