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Morgen heißt es, von Toronto Abschied zu nehmen. Wir haben für die nächsten drei ein halb Wochen einen Wagen gemietet, mit dem wir Ostkanada erkunden wollen. Toronto haben wir als angenehme Stadt kennen gelernt. Man spürt, dass in dieser Finanzmetropole Geld vorhanden ist und trotzdem gibt es eine gesunde alternative Szene. Je nachdem, wo man sich befindet, trifft man entweder auf Gucci-Anzüge oder zerrissene Jeans, auf Tiffany Filialen oder Plattenläden, auf Sushi Restaurants oder Pizzaläden. Das einzige, was scheinbar alle Toronto-Einwohner eint, ist der morgendliche Kaffee von Starbucks oder einem ähnlichen Anbieter, mit dem man durch die Straßen eilt.
An unserem letzten Tag in Toronto haben wir zur Abwechslung mal auf Kultur gemacht und Casa Loma besichtigt, ein Schloss im Norden der Stadt, das der kanadische Finanzier Sir Henry Pellatt 1911-1914 errichten ließ. (Ich schreibe das nur, um zu verdeutlichen, das von diesem Kulturtrip durchaus etwas hängen geblieben ist.) Kurioserweise haben wir in unserem Hostel zwei Freikarten für das Schloss erhalten, doch wir betonen hier in aller Form, dass wir die Besichtigung bereits vorher geplant hatten. Unser derzeitiger Zimmergenosse Daniel hat uns zum Schloss begleitet. Daniel ist Texaner, der zur Zeit in Ottawa studiert und gerade Semesterferien hat. Nachts ist Daniel im wahrsten Sinne des Wortes eine furchtbare Nervensäge, denn er sägt ganze Wälder kurz und klein. Aber tagsüber ist er ein netter Geselle, mit dem man munter plaudern kann. Oder besser: er plaudert munter und wir bemühen uns, auf englisch zu fabulieren.
Wenn wir auf die letzten fünf Tage zurückblicken, haben wir wohl unsere Bewehrungsprobe in Bezug auf Hostels bestanden. Trotz anfänglicher Vorbehalte war das Zusammenleben/-schlafen mit Fremden doch recht unkompliziert. Im Hostel herrscht eine sehr freundliche Atmosphäre, in der man sehr dicht mit anderen zusammenkommt und trotzdem noch eine gewisse Privatsphäre hat. Einfach gesagt: das Nachbarbett ist tabu. Was sich dort abspielt, wird ignoriert. Auch unsere Befürchtung, den Altersdurchschnitt in so einer Jugendherberge zu verdreifachen, hat sich nicht bewahrheitet, denn es gibt Gäste, die sind NOCH älter als wir. So werden wir wohl nie das Bild der alten Dame vergessen, die abends in Nachthemd, Socken und Badekappe und mit Zahnbürste in der Hand darauf wartete, dass einer der Waschräume frei würde. Trotzdem ist jetzt erst einmal Schluss mit Hostels, denn die nächste Zeit wollen wir zelten. Dann können wir endlich wieder nebeneinander und nicht mehr in Etagenbetten übereinander schlafen.
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