01.10. - 05.10.2004 - Etappen 1 - 5

Es ist soweit - wir kämpfen uns auf dem Drahtesel durch Neuseeland. Unseren ursprünglichen Plan, die Nordinsel zu umrunden, haben wir aus Zeitgründen (und aus Gründen der Bequemlichkeit) aufgegeben. Stattdessen werden wir von Auckland nach Wellington radeln, eine Strecke von etwa 800 KM. Nicht unbedingt viel, aber für uns untrainierten, kurz vor der Rente stehenden, autoverwöhnten Großstädter schon eine ganz ordentliche Leistung. Da wir uns nicht nur den Hintern wundscheuern, sondern uns an den einzelnen Zielpunkten auch ein wenig umsehen wollen, werden wir uns einen Monat Zeit lassen. Und so beginnt es:

Tag 1:
Wir starten in strömendem Regen in der Aucklander Innenstadt. Einen Großteil des Gepäcks auf jeweils vier Satteltaschen verteilt, den Rest im Rucksack auf dem Gepäckträger, sind die Fahrräder doch recht mühsam zu bewegen. Wir wollen heute rund 100 KM radeln, aber gegen Mittag wird uns klar, dass wir das nie schaffen werden. Schon recht bald beginnt meine rechte Schulter zu schmerzen und sich zu verspannen. Mit verbissenem Gesicht strampel ich weiter. Nach sechs Stunden erreichen wir die 54 KM entfernte Stadt Pukekohe, in der wir uns erschöpft in einem Motel einbuchen. Wir kochen uns Spaghetti Bolognese, nehmen die Räder mit ins Zimmer und schlafen früh ein. Mir tut alles weh.

Tag 2:
Die Strecke beginnt sehr bergig, so dass wir schon nach kurzer Zeit schweißgetränkt sind. Die meisten Anstiege müssen wir die Räder schieben, und das ist schon anstrengend genug. Teilweise fahren wir auf dem Highway, der einen breiten Seitenstreifen hat. Der Verkehr rauscht an uns vorbei. Gegen Mittag gesellt sich zu meinen Schulterschmerzen ein Stechen im rechten Knie. Wir rasten und essen den kalten Rest Spaghetti am Straßenrand. Immer wieder müssen wir uns gegen heftigen Gegenwind stemmen, so dass wir selbst bergab noch strampeln müssen. Nach 58 Kilometern halten wir in Huntly und mieten uns im Hotel ein. Die Räder dürfen wir in einen Nebenraum schieben. Wir nehmen unsere Wertsachen und was wir für die Nacht brauchen aus den Satteltaschen und gehen auf unser Zimmer. Unter uns ist ein Automatencasino und eine große Kneipe. Es ist laut. Wir holen uns was zu Essen vom Chinesen und liegen um acht im Bett. Mensch, sind wir fertig.

Tag 3:
Heute lassen wir es mal ruhiger angehen. Die letzten beiden Tage stecken uns in den Knochen. Bruce vom Fahrradladen gab uns den Tipp, erst einmal zwei Tage zu fahren und dann einen Tag Pause zu machen. Aber dafür ist uns Huntly zu langweilig. Stattdessen radeln wir lieber zu den heißen Quellen von Waingaro, etwa 27 KM entfernt. Über Seitenstraßen fahren wir durch wunderschöne Landschaft. Die letzten Kilometer geht es mehr oder weniger stetig bergab. Die heißen Quellen münden in einem Freibad. Daneben gibt es ein Hotel mit Restaurant, ein Motel und einen Campingplatz. Sonst nichts. Wir übernachten wieder im Motel und entspannen nachmittags im herrlich heißen Schwimmbecken. Die Sonne scheint, es ist nicht kalt. Wir gönnen uns ein ausgezeichnetes Abendessen im Restaurant. Als wir danach in unser Zimmer zurückkommen, haben Ameisen unsere Trinkflaschen entdeckt. Trotzdem ist heute ein guter Tag.

Tag 4:
Es regnet wieder. Wir wollen über Nebenstraßen weiter zu den Waitomo Caves, aber die Betreiber des Pools raten uns davon ab, weil es auf dem Weg dorthin keine Unterkünfte gibt. Sie bieten an, uns mit dem Auto in den nächsten Ort zu fahren, aber das lehnen wir dankend ab. Stattdessen radeln wir nach Hamilton, Neuseelands viert größter Stadt. Wieder genießen wir die Landschaft um uns herum, das üppige Grün, die ausgedehnten Huh- und Schafsweiden. Nach 43 KM erreichen wir Hamilton und gönnen uns in einer Schokoladenfabrik eine ausgezeichnete heiße Schokolade. In der Einfallstraße von Hamilton reiht sich ein Motel an das nächste. Wir wählen eins mit 'Hot Pool', in dem wir unseren müden Knochen Erholung bieten. Mein rechtes Knie macht mir mittlerweile große Probleme, Schulter und Nacken sind extrem verspannt und schmerzen bei jeder Bewegung. Wir beschließen, den nächsten Tag auszuruhen und nicht zu radeln.

Tag 5:
Heute haben wir frei und besuchen Hobbiton, das Dorf, in dem Frodo und Bilbo Beutlin zu Hause waren (siehe Highlights). Allerdings lassen wir uns diesmal fahren.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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