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Dass es nicht einfach werden würde, war uns schon vorher klar. Aber wie hart es tatsächlich ist, tagelang auf dem Bike zu hocken, darüber haben wir uns wohl doch zu wenig Gedanken gemacht. Oder vielleicht wollten wir das auch gar nicht wissen. Wir hatten auch eine diffuse Vorstellung davon, was es heißt, Gegenwind zu haben. Aber hier haben wir nicht einfach nur Wind, hier kämpfen wir oft gegen Sturm. Sei's drum - es gibt auch schöne Momente.
Tag 6: Auch heute nehmen wir uns lieber nicht zu viel vor und radeln bei leichtem Regen nur 34 km nach Te Awamutu. Die 'Stadt' ist bekannt für seinen Rosengarten, aber der schlummert noch vor sich hin und wird erst Ende des Monats erblühen. Wir bleiben dem Highway 3 treu, auf dem relativ wenig Verkehr herrscht und kommen gut voran. Voller Stolz schaffen wir heute einige Anstiege, die uns vor ein paar Tagen noch zum Absteigen gezwungen hätten.
Tag 7: Es ist trocken, zumindest vormittags, aber verdammt kalt. Ich ziehe eine Fleecejacke unter meine Regenjacke, was nicht unbedingt eine gute Idee ist, denn die Fleecejacke saugt den Schweiß auf und speichert ihn. Immerhin besser als zu frieren. Mittags schauen wir uns ein paar einheimische Vogelarten im Kiwihaus an. Auch echte Kiwis - also die Vögel, nicht die Neuseeländer, die sich auch gern so nennen. Unser Ziel sind die Waitomo-Caves, bei denen wir die Wahl haben zwischen einem komfortablen Motelzimmer und einer Cabin mit Gemeinschaftswaschhaus. Spontan entscheidet sich Regina für das Motelzimmer. Sie ist halt ein Luxus-Weib. Abends gönnen wir uns noch ein Bierchen. Vor der Kneipe stehen mehrere Paare schlammiger Stiefel. Ihre Besitzer - gestandene Mannsbilder - stehen in löchrigen Strumpfsocken an der Bar und trinken ihr Bier. Ein niedlicher Anblick.
Tag 8: Ein weiterer Ruhetag. Wir besichtigen die Höhlen. (Siehe Highlights) Abends leihen wir uns Taschenlampen und radeln zu einer weiteren Höhle, um nach Einbruch der Nacht überall an den Felswänden Hunderte von Glühwürmchen zu bestaunen. Was für ein wunderschöner Anblick! Und verdammt unheimlich, so allein im Finsteren herumzulaufen. Zum Glück stoßen wir auf eine weitere Gruppe, die ebenfalls mit ihren Taschenlampen durch den Wald stolpert. Nicht weniger aufregend ist die Fahrt zurück zum Motel. Wir binden die Taschenlampen an die Fahrradlenker und fahren langsam, ganz langsam.
Tag 9: Bestes Radelwetter. Trocken, nicht zu warm, wenig Wind. Trotzdem fahren wir nur 28 km, denn wir wollen nach Te Kuiti, der Welthauptstadt der Schafscherer. Hier findet einmal im Jahr die Schafscher-Weltmeisterschaft statt. Der Rekord liegt irgendwo bei 800 Schafen in 9 Stunden. Te Kuiti ist ein nettes Städtchen. Es gibt sogar eine Broschüre, in der ein Stadtrundgang erklärt ist, der durch beide Straßen führt. Heute ist Samstag, überall spielende Kinder. Eine Vorstadtidylle.
Tag 10: Unser härtester Tag - 78 km voller Strapazen. Direkt hinter Te Kuiti beginnt eine Steigung, die kein Ende nehmen will. Danach ein einziges Auf und Ab. Gegen Mittag essen wir an einem Hang ein paar Stullen. Eigentlich haben wir keine Lust mehr, weiter zu fahren, aber hier können wir auch nicht bleiben. Die letzten 30 km stemmen wir uns gegen extremen Gegenwind. Es macht praktisch keinen Unterschied, ob wir bergauf oder bergab fahren. Meine Knie und mein Rücken schmerzen, bald muss ich die Hänge hinaufschieben. Am späten Nachmittag suchen wir eine Unterkunft und finden ein Motel mit einer extrem steilen Zufahrt. Für kämpfen uns hinauf. Als die Besitzerin uns kommen sieht, kann sie gar nicht mehr an sich halten vor Lachen. Wir müssen ein herrliches Bild abgeben. Zwei Deppen, die sie durchnässt und völlig fertig an ihre Haustür kämpfen. Wir fühlen uns, als hätten wir den Mount Everest erklommen - ohne Sauerstoffmaske. Wir sind kaputt, aber auch stolz, dass wir das geschafft haben. Jetzt haben wir uns eine Pizza verdient, denken wir. Aber heute ist nicht unser Tag, denn der einzige Take-Away hat schon geschlossen und das nächste Restaurant ist Kilometer entfernt. Also gibt es noch ein paar Stullen auf dem Zimmer, während draußen weiterhin die Welt in Sturm und Regen untergeht.
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