04.11.04 - Im Campervan

In Kanada war ich etwas erbost darüber, dass ich immer unsere Mietwagen fahren musste, während Regina gemütlich auf dem Beifahrersitz saß und die Fahrt genoss. Aus einer Laune heraus versprach sie deshalb eines Tages, dass sie den nächsten Wagen fahren würde, ohne daran zu denken, dass dies ein Wohnmobil in Neuseeland sein würde. Also nicht nur ein großes unhandliches Gefährt, sondern auch noch Linksverkehr. Aber Regina steht zu ihrem Wort, und so kann ich - wahrscheinlich - die nächsten vier Wochen auf dem Beifahrersitz genießen.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass die meisten Wohnmobilvermieter deutsch sprechen. Schon in Kanada waren wir Deutschen ja dafür berüchtigt, in teuren Campern durchs Land zu kutschieren. Was habe ich sie teilweise gehasst, wenn sie mit 40 km/h durch Kurven geschlichen sind, die ich normalerweise mit 80 km/h genommen hätte. Jetzt sind wir selbst ein solcher Schleicher, zumal unser Mazda Millenium Irgendwas nicht gerade zu den Porsches unter den Campervans gehört. Mit seinen 150.000 Kilometern ist der Motor bereits gut eingelaufen, aber bergauf wäre es manchmal doch schneller auszusteigen und zu schieben. Außerdem braucht der dritte Gang manchmal viel Zuneigung, damit er sich schalten lässt. Aber dafür haben wir einen der günstigsten Camper, die wir gefunden haben. Da der Vermieter den Wagen gern nach Auckland transportiert haben möchte, haben wir drei freie Tage sowie freie Fährüberfahrt auf die Nordinsel ausgehandelt. Ich denke, damit können wir ganz gut leben.

Die Straßen in Neuseeland sind meistens schön leer und ermöglichen ein geruhsames Fahren. Wenn sich ein paar Autos hinter uns aufgestaut haben, fährt Regina links (!) ran und lässt sie vorbei. Dann kann man geradezu ein kollektives erleichtertes Aufatmen hören.
Im Campervan zu fahren ist irgendwie doch ganz anders, als mit dem Fahrrad unterwegs zu sein (aber das ist nicht wirklich überraschend, nichtmals für uns). Endlich habe ich Zeit, mich aufs Fotografieren zu konzentrieren. Graham hat uns so viele wunderschöne Orte auf der Karte angekreuzt, ich weiß gar nicht, ob wir die alle schaffen werden. Aber einen Versuch ist es Wert.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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