10.11.04 - Im Land der Sandfliegen

Das Gute an Neuseeland ist, dass es hier kaum Mücken gibt. Das Schlechte: dafür gibt es Sandfliegen. Zumindest überall dort, wo wir uns mit unserem Campervan hinstellen und das sind nun einmal vorrangig Flüsse und Seen. Es ist einfach zu schön, beim Einschlafen neben sich das Plätschern von Wasser zu hören. Für mich gibt es kein friedlicheres Bild, als ein See in der Abenddämmerung. Wenn der Wind leicht über die Wasseroberfläche fährt, ein Entenpaar sich einen Platz für die Nacht sucht, wenn die Vögel in den Bäumen ihr Abendlied anstimmen und die Dunkelheit mehr und mehr von der Szenerie verschluckt, dann kann ich kaum glauben, dass ich in Hamburg um diese Zeit vor dem Fernseher sitzen würde.
Sandfliegen bekommen von all dieser Schönheit wahrscheinlich nichts mit. Die haben nur Augen für uns. Besonders unangenehm ist die Tatsache, dass Sandfliegen so klein sind, dass sie durch das Fliegengitter unserer Dachlucken schlüpfen. Bis wir das bemerkten hatten wir bereits reichlich schmerzhaftes Lehrgeld bezahlt. Im Gegensatz zu den Mücken stechen Sandflies nicht, sie beißen. Das Ergebnis ist jedoch dasselbe: tagelang juckende Pusteln. Die natürlichen Feinde der Sandfliegen lauten Wind und Regen. Regen mögen wir auch nicht. Wind ist OK - jetzt, wo wir nicht mehr mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Zur Zeit sind wir in Glenorchy, wo es zum Teil so windig ist, dass ich Mühe habe, meine Kamera lange genug gerade zu halten, um ein Foto zu machen. Das ist ausgesprochen schade, denn die Motive hier haben es in sich. Ich glaube, es fehlt nicht mehr viel und man müßte die Aussicht hier kitschig nennen.
Wir treffen hier eine junge Engländerin, die sich einen VW Bus gekauft hat, mit dem sie ein Jahr lang Neuseeland bereisen wil. Genau wie wir liebt sie die Plätze abseits der normalen Touristenpfade, so dass wir oft an den selben Orten übernachtet haben - allerdings zu verschiedenen Zeiten. Angst hat sie keine. Sie kommt aus einem kleinen Dorf und ist es gewohnt inmitten von Nichts zu leben. Da sind wir Großstadtkinder natürlich ganz anders. Aber auch wir können uns ja noch bessern.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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