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Sydney ist im Weihnachtsstress. Über drei Millionen Einwohner und bestimmt ebenso viele Touristen quetschen sich durch die Innenstadt. Nach dem eher geruhsamen Auckland ist das ein ziemlicher Schock. Unser Hostel liegt sehr zentral. Das heißt, wir können vieles recht gut zu Fuß erreichen. Das heißt aber auch, dass die vierspurige Straßenkreuzung vor unserem Fenster nur wenig Idylle versprüht. Schon vor Sonnenaufgang fahren drei Millionen Einwohner an unserem Fenster vorbei zur Arbeit, und weil die Sydneyaner so fleißig sind, fahren sie erst zurück, wenn wir bereits wieder im Bett liegen und zu schlafen versuchen. Na ja, vielleicht kommt uns das auch nur so vor.
Ein weiterer Unterschied zu Auckland ist, dass man hier praktisch kaum ein Lächeln auf der Straße auffängt. Dazu sind die Sydneyaner viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und damit, gut auszusehen. Die meisten von ihnen sind außerdem fest mit ihrem Handy verwachsen. Wer glaubt, dass die Handymanie in Deutschland schlimm sei, der sollte erst einmal hierher kommen. Wenn man einem Sydneyaner das Handy klaut, dann ist das in etwa so, als würde man ihn splitternackt ans Opernhaus binden. Was wir natürlich bis jetzt noch nicht ausprobiert haben.
Im Gegensatz zu den Auckländern, die im Allgemeinen um Elf zu Hause sind und schlafen gehen, feiern die Sydneyaner gern und lang. Am liebsten in einer Männergruppe mit Anstandsdame. Die sitzt dann irgendwo verlassen rum und nuckelt an einem Fläschchen Alkopop. Am nächsten Tag geht man dann zusammen an den Strand. Das Mädel in der Mitte, auf dem Bauch liegend, mit aufgeknöpftem Bikinioberteil und deshalb schön natlos tiefbraunem Rücken und madenweißer Front, die Jungs drumherum, lässig, witzig, in Badeshorts, die über die Knie reichen und deshalb schon braunen Unter- und madigen Oberschenkeln. Manche Frauen drehen sich auf mal auf den Rücken, aber das sind wohl Touristinnen, denn die haben meist nur einen Kerl dabei.
Auch wenn es nicht ganz deutlich wird: wir lieben Sydney. Hier anzukommen und mit dem Shuttel in die Innenstadt zu fahren, war, als kämen wir nach Hause zurück. Vor drei Jahren waren wir schon einmal hier - ebenfalls zu Sylvester - und haben unsere jetztige Reise im Grunde genommen um das diesjährige Sylvester, das wir wieder hier erleben wollen, herumgeplant. Durch Straßen zu schlendern und zu sagen: 'da vorn war doch n Supermarkt' und den Supermarkt dann tatsächlich zu finden, ist schon ein tolles Gefühl. Was sind wir doch für Cosmopoliten!
Sydney hat einfach Flair. Die Innenstadt, in der Banker in teuren Anzügen an der Ampel neben Backpackern stehen, die ihr Surfbrett unter dem Arm tragen. Die Randbezirke, die alle einen eigenen Reiz haben. Die Skyline, der Hafen, die Brücke, das Opernhaus. Die unzähligen Strände, die alle nur ein paar Kilometer von der Innenstadt entfernt sind. All das und noch viel mehr, macht Sydney liebenswert. Und deshalb sind wir hier.
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